„Verein zur sozialen Förderung und zur Unterstützung der Lehrlingsstiftung Eggenburg“
1 Die Schwerpunkte der Lehrlingsstiftung
Die Lehrlingsstiftung Eggenburg bietet Jugendlichen Perspektiven und hilft ihnen dabei, ihren Weg ins Berufsleben zu finden. Mit Ausbildung, sozialer Begleitung und viel Engagement ebnet sie jungen Menschen den Start in eine selbstbestimmte Zukunft.
Die Lebensläufe der Jugendlichen, die in Eggenburg ankommen, sind oft von Schwierigkeiten geprägt. Viele haben eine längere Phase der Arbeits- und Orientierungslosigkeit hinter sich, manche kämpfen mit psychischen oder sozialen Problemen. Durch praxisorientierte Ausbildung, Qualifizierung und gezielte Förderung sozialer Kompetenzen bereiten die MitarbeiterInnen diese jungen Menschen auf die Arbeitswelt und die Gesellschaft vor. Hier bekommen Jugendliche eine Chance, sich zu beweisen und ihren individuellen Weg zu finden. Denn oft brauche es einfach nur Menschen, die an sie glauben.
2 Wie alles begann…
In den neunziger Jahren bildete sich ein Arbeitskreis mit Vertretern der diözesanen Jugendstelle, der KAJ und Jugendlichen und Seelsorgern aus dem Waldviertel, um die pastorale Jugendarbeit im Waldviertel zu fördern. Zu den Überlegungen über ein Jugendhaus kristallisierte sich bald die Notwendigkeit eines beruflichen Jugendausbildungsprojektes heraus.
1998 wurde, für arbeitslose Jugendliche aus dem Waldviertel, von Karl A. Immervoll, Betriebsseelsorger aus Heidenreichstein, und Pater Sepp Schachinger, Rektor des Kloster der Redemptoristen in Eggenburg, der „Verein zur Sozialen Förderung und zur Unterstützung der Lehrlingsstiftung Eggenburg“ gegründet. Aus einem anfänglich geplanten Jugendbeschäftigungsprojekt mit kreativem Schwerpunkt, wurde durch ein Angebot des AMS, im Rahmen des Nationalen Beschäftigungsplanes, ein überbetriebliches Ausbildungsprojekt. Im November 1998 begann für fünfzehn Jugendliche ihre dreijährige Lehre.
So wurde, parallel zum pastoralen Jugendhaus K-Haus, im Redemptoristen Kloster die Lehrlingsstiftung gegründet.
In den dazu im Kloster eingerichteten Werkstätten erhalten die Jugendlichen praktisch und theoretisch auf den Beruf und die Berufsschule vorbereitet. Von Anfang an wurde ein großes Augenmerk auf Eigenverantwortung und Selbstständigkeit gelegt. Die sozialpädagogische Begleitung gehört zum ganzheitlichen Ansatz, der die jungen Menschen in ihrer gesundheitlichen und persönlichen Entwicklung fördert und zu unterstützt.
3 Von einem kleinen Jugendprojekt zu einer professionellen Einrichtung
Seit nunmehr 27 Jahren sind wir für Jugendliche im Wald- und Weinviertel tätig. In dieser Zeit ist es gelungen mehrere hundert Burschen und Mädchen in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln. Das verdanken wir unseren engagierten Mitarbeiter-
Innen, den guten Kontakten zur regionalen Wirtschaft und der nachhaltigen Zusammenarbeit mit unseren FördergeberInnen. Unsere Erfahrungen und Kompetenzen bringen wir auch in Zukunft gerne ein.
Aus einem anfänglich geplanten Jugendbeschäftigungsprojekt mit kreativem Schwerpunkt, wurde durch das Angebot des AMS NÖ, im Rahmen des Nationalen Beschäftigungsplanes, eine überbetriebliche Berufsausausbildung. Viele TeilnehmerInnen konnten nicht täglich nach Hause fahren und so war das betreute Wohnen ab 1999 ein weiterer Schritt in der Gesamtprojektentwicklung.
Im März 2001 haben wir zusätzlich vom vormals genannten Bundessozialamt NÖ den Auftrag erhalten, im Rahmen der Qualifizierungsmaßnahme Jugendliche in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Qualifizierungsmaßnahme wurde 2014 durch das Projekt „AusbildungsFit“ ersetzt. 2021 wurde das Angebot um das Projekt „Vormodul“ ergänzt.
Seither ist die Lehrlingsstiftung kontinuierlich gewachsen. Aktuell sind rund 80 Jugendliche und 26 BetreuerInnen bei uns tätig. Die Ausbildung und Qualifizierung erfolgt in den Werkstätten: Büro, Informationstechnologie mit System- und Betriebstechnik, Gärtnerei, Konditorei, Küche, Malerei, Reinigungstechnik sowie Tischlerei. Um die Jugendlichen in ihren individuellen Fähigkeiten zu unterstützen, bieten wir Lerncoaching, psychosoziale Begleitung, Betreuung bei Praktika und Vermittlung, sowie Gesundheitsförderung an.
4 Die drei Standbeine der Lehrlingsstiftung
4.1 Überbetriebliche Lehre
Bereits seit 1998 engagiert sich der gemeinnützige Verein der Lehrlingsstiftung Eggenburg für junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren, die aus unterschiedlichen Gründen auf dem Arbeitsmarkt schwierige Startbedingungen haben. Für Jugendliche ohne Ausbildungsplatz bietet die Lehrlingsstiftung eine überbetriebliche Lehre mit acht Berufen: Büro, Koch, Konditor, Informationstechnologie, Malerei, Tischlerei, Reinigungstechnik und Gärtnerei.
Das Ziel ist es, dass die Lehrlinge vor oder nach ihrer Lehrabschlussprüfung von einem Betrieb der Region übernommen werden. So konnten die Jugendlichen zu den positiven Abschlüssen auch ausgezeichnete Erfolge verzeichnen und bekam zum Beispiel schon mehrmals den Josef-Staudinger-Preis der Arbeiterkammer NÖ für außergewöhnliche Leistungen in der überbetrieblichen Lehre verliehen.
4.2 AusbildungsFit: Unterstützung zwischen Schule und Beruf
Das Programm „AusbildungsFit“ bietet Jugendlichen für ein Jahr (bei Bedarf auch länger) Unterstützung im Übergang zwischen Schule und Beruf, mit Trainingsmodulen, Wissenswerkstatt, Coaching und sportlichen Aktivitäten. „Es ist immer wieder schön zu sehen, wie viel Tolles sich in der Zeit, in der die Jugendlichen bei uns sind, entwickelt“, sagt Franziska Titzmann, Leiterin von AusbildungsFit.
Eine der Teilnehmerinnen von „AusbildungsFit“, ein 16-jähriges Mädchen konnte, obwohl sie erst seit drei Monaten dabei ist, neben allerhand fachlichem Wissen aus den Werkstätten Gärtnerei und Küche auch weitere Eindrücke sammeln und sagte: „Ich habe gelernt, dass man Menschen niemals nach dem Aussehen beurteilen darf und dass es auch Erwachsene gibt, die einen unterstützen und helfen.“
Beide Programme vermitteln also nicht nur Fachkenntnisse, sondern fördern auch soziale und persönliche Kompetenzen. Doch der Bedarf wächst. „Die Krankheitsgeschichten der Jugendlichen nehmen zu, aber unsere Ressourcen sind eingeschränkt,“ Die 26 Mitarbeitenden spüren außerdem immer noch die Auswirkungen der Pandemie, die bei vielen Jugendlichen zu Entwicklungsdefiziten geführt hat. „Vor allem im Bereich psychologische Betreuung und digitale Ausstattung benötigen wir mehr Mittel,“ erklärt Franziska Titzmann. Mehr Raum und kleinere Gruppen würden die intensive Betreuung der Jugendlichen weiter verbessern. Bei AusbildungsFit gibt es vier Trainingswerkstätten: Wissenswerkstatt, Handwerkstatt, Kompetenzwerkstatt sowie Medienwerkstatt.
4.3 Betreutes Wohnen
Für bis zu 30 Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren, die nicht pendeln können und in der Lehrlingsstiftung die überbetriebliche Lehrausbildung absolvieren oder im Projekt AusbildungsFit untergebracht sind, besteht die Möglichkeit von Montag bis Freitag in der betreuten Wohngemeinschaft zu leben.
Unsere Hauptziele sind dabei die Förderung bzw. Erhaltung der Arbeitsfähigkeit, sowie die lebenspraktische Begleitung durch unsere BetreuerInnen. Die Basis hierfür bildet das Vertrauen und Verständnis zwischen BetreuerInnen und Jugendlichen. Soziales Fördern beinhaltet Hilfestellung beim Umgang mit Pflichten, Aufgaben und Vereinbarungen, Stärkung sozialer Fähigkeiten in der Gruppe, Problembewältigung, gewaltfreie Kommunikation und Konfliktverhalten, sowie die Förderung von Selbständigkeit.
Lebenspraktisches Lernen umfasst die Mitarbeit bei Versorgung, Raumpflege, Hygiene und Erscheinungsbild und dem selbständigen Einhalten der Tagesabläufe. Der Aufenthalt in der Wohngemeinschaft wird durch die Hausordnung geregelt. Diese soll zu einem respektvollen Miteinander führen und enthält Rechte, Pflichten und auch Ausschlusskriterien.
5 Aktueller Stand
Momentan betreut die Stiftung rund 80 Jugendliche, von denen ein Drittel von Montag bis Freitag in der Wohngemeinschaft lebt. Unterstützt werden die WG-Bewohner und Bewohnerinnen von qualifizierten Sozialarbeitern, die bei der Stärkung von Sozialkompetenzen und der Vermittlung von Freizeitangeboten helfen.
Die Erfolge der Stiftung sprechen für sich: Seit ihrer Gründung haben fast 600 Jugendliche die überbetriebliche Lehre und rund 500 das Programm „AusbildungsFit“ durchlaufen. 85 bis 90 Prozent derer, die bis zum Ende der Lehrzeit in der Lehrlingsstiftung bleiben, schaffen ihren Abschluss. „Es ist schön zu sehen, wie aus zurückhaltenden Jugendlichen selbstbewusste Erwachsene werden, die ihre Ziele verfolgen,“ sagt Werkstätten Leiterin Beate Beyer. Freie Stellen in der überbetrieblichen Lehre sind momentan verfügbar, auch bei „AusbildungsFit“ werden laufend neue Personen aufgenommen. Eine angehende IT-Technikerin rät: „Einfach herkommen, schnuppern und sich selbst ein Bild davon machen.“
Für Anfragen stehen wir gerne zur Verfügung. Gemeinsam mit Ihnen wollen wir die Jugendlichen bei der Arbeitssuche unterstützen. Gemäß unserem Motto: „Arbeit haben oder keine Arbeit haben, entscheidet ganz wesentlich über unser Leben.“
